Ärzte für Ärzte Nordsyrien

Seit Beginn des Bürgerkrieges ist die medizinische Versorgung in Syrien zusam­mengebrochen. 73% aller Kranken­häuser sind zerstört. Die Hälfte der Ärzte ist aus Syrien geflüchtet. Nordsyrien weist die schlechteste Gesundheitsversorgung des ganzen Landes auf. Die zurückgebliebenen Ärzte verrichten ihre Arbeit unter äusserst schwierigen Umständen, gekennzeichnet durch in­stabile Sicherheitslage, Materialknappheit und erhöhte Arbeitslast. Delta unterstützt die Arbeit der Ärzte vor Ort.

Über das Projekt

Seit Beginn des Bürgerkrieges im Zuge des arabischen Frühlings führt Syrien die UNHCR-Statistik der Flücht­linge an. Durch diesen bewaffneten Konflikt änderte sich die Situation für die rund zwei Millionen Kurden Nordsyriens grundlegend. Ähnlich wie im Nordirak rückt durch die Schwächung des syrischen Re­gimes ein autonom verwaltetes Kur­denstaatsgebiet in den Vordergrund. Einen wesentlichen Startschuss in diesen Unabhängigkeitsbestrebungen war die Revolution von Rojava. Die an die Türkei angrenzende, nordsyrische Kurdenregion Rojava möchte, ange­lehnt an das Vorbild der föderalistisch organisierten Schweiz, ein autonom verwaltetes Staatsgebiet gründen. Die­ses soll in einzelnen Kantonen organi­siert werden. Am 12. November 2013 wurde eine Über­gangsverwaltung implementiert und bis im Januar 2014 die Kantone Kobanê, Afrin und Cizre gegründet. Seither war Rojava das einzige einigermassen sta­bile und funktionierende Staatsgebiet von Syrien. Durch den anhaltenden Bürgerkrieg ist die medizinische Versorgung zusam­mengebrochen. 73% aller Kranken­häuser sind nicht mehr funktionsfähig, die Mehrheit der ländlichen Gesund­heitsstationen sind zerstört und die Medikamentenproduktion brach um 60% ein. Gemäss WHO weist insbe­sondere Nordsyrien die schlechteste Gesundheitsversorgung des ganzen Landes auf. Die wiederholten, geziel­ten Angriffe auf medizinische Einrich­tungen und die damit verbundenen To­desfälle unserer Berufskollegen vor Ort sind bekannt. Seit Ausbruch des Bür­gerkrieges ist rund die Hälfte der Ärz­te aus Syrien geflüchtet. Die wenigen zurückgebliebenen Ärzte verrichten ihre Arbeit unter äusserst schwierigen Umständen, gekennzeichnet durch in­stabile Sicherheitslage, ungenügende Infrastruktur, erhöhte Arbeitslast sowie Knappheit an medizinischem Materi­al inkl. Medikamenten. Wir wollen die Arbeit unserer Berufskollegen vor Ort unterstützen. Unser Haupteinsatzort ist die unmittelbar an der Grenze zur Türkei gelegene Stadt Kobanê.

Ziel

Wir wollen unsere Berufskollegen, die ihrer Arbeit unter schwierigsten Umständen nachgehen, langfristig unterstützen. Nur durch internationale Solidarität mit den Ärzten vor Ort können die medizinischen Bedürfnissen der Lokalbevölkerung gedeckt werden. Zudem beabsichtigen wir mit unserem Projekt den wenig verbleibenden Ärzten vor Orte eine Perspektive zu geben und damit weitere Abwanderung aus dem Kriegsgebiet vorzubeugen, was die Gesundheitsversorgung zusätzlich gefährden würde. Wir unterstützen unabhängig arbeitende Ärzte im nordsyrischen Rojava, insbesondere im Kanton Kobanê durch direkte Lohnzahlungen, Hilfsgüterlieferungen und im Wiederaufbau der durch den Krieg zerstörten eigenen Praxis.

Bisherige Projektergebnisse

Bisher haben wir die Ärzte vor Ort mit vier Hilfsgüterlieferungen im Gesamtwert von 34‘000 CHF zur Anschaffung von Medikamenten, Labormaterial und chirurgischem Material unterstützt. Zusätzlich konnten wir den Kollegen gut erhaltene, chirurgische Instrumente von Schweizer Spitälern zukommen lassen. Zusammen mit unserem deutschen Partner-Verein „Armut und Gesundheit“ stattenten wir eine Frauenklinik mit einem mobilen Ultraschallgerät aus. Seit 2018 unterstützt delta die Anstellung von Dr. med. Basrawi Ali. Dr. med. Ali ist ein kur­discher Arzt aus Kobanê, der mit seiner Familie nach Europa flüchtete und seit 2015 in Düsseldorf wohnt. Er wurde 1974 in Aleppo geboren und studierte, wie vie­le syrische Kurden die aufgrund der systematischen Unterdrückung in ih­ren ‚Heimatländern‘ nicht studieren dürfen, in Russland Medizin. Nach seinem Abschluss 1998 folgten die Lehrjahre in Orthopädie, Traumatolo­gie und Kriegschirurgie. Er kehrte nach Syrien zurück und arbeitete ab 2003 als Facharzt für Orthopädie und Trau­matologie im öffentlichen Kranken­haus in Kobanê. Daneben behandelte er Patienten in seiner eigenen Praxis, was vor Ort üblich ist. Über Bekannte kam Basrawi in Kontakt mit Prof. Tra­bert und schilderte ihm sein Bedürfnis, nach Kobanê zurückzukehren um den Leuten vor Ort zu helfen. Da die Fami­lie sich vor einer Rückkehr nach Syrien fürchtete und die Kinder in Deutsch­land mittlerweile integriert sind, ent­schied sich der Verein „Armut und Gesundheit“, den syrischen Arzt anzu­stellen und ihn mehrmals jährlich in die Krisenregion zu entsenden. Das Vor­gehen sichert der Familie einerseits ein regelmässiges Einkommen und bringt den Vorteil, dass wir über unseren mit den örtlichen Gegebenheiten bekann­ten Berufskollegen vor Ort Tausende von Patienten erreichen können. Der Orthopäde hat seither während zwei Aufenthalten in Syrien über 1000 Pa­tienten behandelt - und mehr als 100 Operationen durchgeführt.

Aktualitäten

  • 01. Februar 2015

    Dr. med. Monika Müller, Co-Projektleiterin besucht ein Flüchtlingslager in der südtürkischen Stadt Suruç